Reparieren lohnt sich!

Eine Reparatur vermeidet Abfall und spart Geld. Die Herstellung eines neuen Gerätes benötigt Energie und Rohstoffe. Auch der Transport aus dem fernen Herstellungsland zum heimischen Markt muss bei der Rechnung zu Buche schlagen.

Mehrere Community-Bewegungen haben sich gebildet, z.B. das Repair-Cafe, iFixit, die Elektroniksprechstunde. Diese Initiativen unterlaufen durch Reparaturen die Obsoleszenzstrategien der Hersteller, verlängern die Nutzungsdauer der Gebrauchsgegenstände und sollen einen Weg in die Postwachstumsökonomie aufzeigen.

Eigentlich gab es sowas ja schonmal: "Einfälle statt Abfälle" in der 80er Jahren und "Mach fit den Schrott" in neuerer Zeit, die ein kreatives Upcycling zeigen soll.

In früheren Zeiten gab es auch überall in Reichweite eine Reparaturwerkstatt. Meistens betrieben durch einen Radio- und Fernsehtechniker und auch genau darauf spezialisiert. Hinbringen konnte man alles. Repariert wurde fast alles. Und die Hersteller lieferten auch Ersatzteile und stellten Unterlagen bereit, um solche Reparaturen möglich zu machen.

Aber selbst wenn man in der heutigen Zeit Geräte nicht mehr durch Reparaturen nahe an die Unsterblichkeit bringen kann, so kann man ihre Nutzungsdauer deutlich steigern, indem man repariert, was zu reparieren geht.

Nun aber ein paar praktische Gedanken bevor man zum nächsten Repair-Cafe oder zu einer Reparaturwerkstatt geht:

1.) Nicht selbst das Gerät auseinandernehmen
Ein Techniker, der den Fehler des Gerätes reparieren soll, muss den Fehler zuerst selbst untersuchen. Eine Fehlerbeschreibung des Gerätebesitzers ist nur eine unterstützende Maßnahme. Dazu ist es nötig, das ein Gerät noch komplett zusammengebaut ist und sich in einem gebrauchsfertigen Zustand befindet. Denn eine flackernde LED muss dem Kunden nicht aufgefallen sein und deshalb nicht erwähnt werden, der Fachmann hält aber Ausschau nach genau solchen Zeichen und bekommt dadurch schon eine erste Idee, was der Fehler sein könnte.
Auch kann aufgrund der Fehleranalyse eine Demontage des Geräts unnötig sein. Ob und wieviel des Geräts eine Demontage benötigt, sollte man dem Fachmann überlassen!

2.) Fachkunde zur Poblemanalyse ist nötig
Beim Auseinandernehmen des Gerätes muss genau protokolliert werden, wo welche Schraube und welche Halterung verbaut war. Ein geübter Techniker erkennt sofort, ob dies nötig ist und handelt entsprechend. Auch der Verlauf interner Verkabelung kann wichtig sein! Oder der Defekt hat Spuren in der Innenseite des Gehäuses hinterlassen, die sofort auf die Ursache deuten. Bekommt man ein Gerät halb auseinandergebaut, mit Einzelteilen in einer Tüte, so dauert das Puzzle bei der Fehlersuche und beim Zusammenbau ein mehrfaches der Zeit, als wenn der Techniker das Gerät selbst auseinandergenommen hätte.
Der Fachmann weiss auch welche Teile in einem Gerät gefahrlos berührt werden dürfen und von welchen Bauteilen ggf. Lebensgefahr bei unsachgemäßer Handhabung ausgehen kann. Niemand sollte deshalb an Netzteilen herumfummeln, ohne zu wissen wo dort die Gefahr sitzt.

3.) Folgedefekte vermeiden
Falsch eingeschraubte Schrauben können aufgrund des Gewindes oder der Länge der Schrauben beim Zusammenbau einen Defekt verursachen. Ein Schraube die einen halben Millimeter mehr Länge hat, kann an der falschen Stelle einen irreparablen Schaden verursachen. Insbesondere in modernen Smartphones.
Fällt einem ungeübten Bastler eine Schraube herunter und rollt über die Platine, deren Akku nicht getrennt wurde, so hat er zwei Fehler auf einmal gemacht, die infolgedessen einen irreparablen Schaden des Geräts verursachen.

4.) Erfahrung vermeidet Fehler
Viele Gehäuse oder Displays lassen sich mit der entsprechenden Übung und dem Wissen um das spezielle Gerät spurlos öffnen. Macht man dies das erste Mal, kann mal eine Halterung abbrechen oder etwas beschädigt werden. Dies kann Beschädigungen verursachen die eine Reparatur sinnlos machen.

5.) Vollständigkeit
Manche Geräte werden auch demontiert und nur zum Teil in die Werkstatt gebracht und der Kunde ist sich sicher, dass der Fehler dort liegt. Eine Fehlersuche kann nur bei einem kompletten Gerät erfolgen! Der ursächliche Defekt kann einen Folge-Defekt verursacht haben, der sich dann ggf. nicht auf dem mitgebrachten Teil des Gerätes befindet. Setzt der Kunde das Gerät dann Zuhause selbst zusammen, kann trotz kostenpflichtiger Reparatur immer noch ein Defekt vorliegen. Dies verursacht bei einem zweiten Reparaturversuch höhere Kosten und Arbeit als nötig wäre.

Eine kurze Checkliste bevor man das Gerät zu Reparatur bringt:
- nicht selbst das Gerät öffnen
- nicht nur ein Teil des Geräts mitbringen
- nicht selbst nach dem Grund des Fehlers suchen, wenn dieser nicht ersichtlich ist
- nicht das Gerät demontieren und die Einzelteile in einem Beutel mitbringen
- nicht selbst mit einer Reparatur beginnen, Teile entfernen oder auf Verdacht tauschen

Reparaturaufträge werden oft nicht angenommen wenn
- das Gerät schön geöffnet wurde und in Einzelteilen mitgebracht wird
- nicht alle zum Gerät gehörenden Teile mitgebracht werden, wie z.B. das Netzteil
- der Fehler nicht untersucht werden kann
- nicht die Inbetriebnahme des Geräts ausprobiert werden kann

Das ein solches Gerät dann nicht zur Reparatur angenommen wird, soll keine Gängelung oder Monopolerhaltung sein. Es ist im Interesse der Person, die das Gerät zur Reparatur gebracht hat.

Und es dient auch dem Selbstschutz. Ein netzbetriebenes Gerät, an dem nicht fachkundige Reparaturversuche vorgenommen wurden, indem Sicherungen mit Alufolie gebrückt wurden, kann gefährliche Überraschungen bergen!